Eskalation in Zäunchen

BV Scheel führt Online-Banking-App ein
Es ist mal wieder passiert! Nachdem beim letzten Dorffest keine Kapazität beim Galgenkegeln übrig war, da Andre Orbach alles weg gekegelt hat, nun das! Ein eigentlich erfolgreiches Projekt des Bürgerverein Scheel ist an der Belastungsgrenze angekommen. Kaum noch können Scheelerinnen und Scheeler, oder Wanderer von nah und fern hoffen, einen Platz auf dem schönen Waldsofa bei Zäunchen zu ergattern. Die 2025 aufgestellte Liege ist fast immer belegt. Oft auch von mehreren Gruppen gleichzeitig.

Ein Weckruf ereilte den BV Scheel, als Maximillian Momm, Grundstückseigentümer, dem Vorstand berichtete. „Jedes Mal, wenn ich mit dem Hund spazieren gehe, ist das Waldsofa belegt. Anfangs war ich froh, dass dieser herrliche Aussichtspunkt so gut angenommen wird. Aber mit den ersten sonnigen Tagen 2026 musste ich feststellen, dass oft viele Leute gleichzeitig die Sonnenliege ansteuern. Und das führt zu Konflikten. Anfangs waren die Neuankömmlinge nur ungeduldig und warteten, bis die Liegenden aufstanden und den Platz frei gaben. Aber nach und nach hörte ich Streit, der teilweise in einem Handgemenge endete. Das sollte so nicht sein. Da musste ich mal bescheid sagen.“

Der BV Scheel handelte umgehend. Auf der Jahreshauptversammlung war bereits angekündigt, dass zwei weitere Waldsofas in Planung sind. Die Lieferanten sind ausgesucht, Grundstückseigentümer sind willig ihr Land dafür freizugeben, Anträge sind mittlerweile geschrieben, aber das dauert immer lange. Daher musste im Zeitraum bis zur Genehmigung der LEADER-Anträge und der Aufstellung der Konflikt gemindert werden. Nur gutes Zureden und Vermitteln zwischen den Wanderern half nicht. Aber wir wissen alle, wir als Dorf schaffen das aus eigener Kraft. So dachten wir.
 Während drei noch chillen, warten schon die nächsten.

Kurzum wurde ein privater Sicherheitsdienst organisiert. Daniel M. und Anne M., deren Namen auf persönlichen Wunsch hier nicht vollständig genannt werden, teilten sich die Schichten auf. Jeweils 12 Stunden wachte die Eine, dann der Andere am Waldsofa. „Krass was da sich abspielt!“, berichtete Daniel M. nach ein paar Tagen. „Ich hab ja schon viel gesehen, aber das ist selbst eine neue Dimension für mich. Die Nächte beim Frielingsdorfer Oktoberfest sind viel entspannter als nur eine Stunde da oben an dem Waldsofa. Und dabei soll das ein Ort der Entspannung sein.“ Auch seine Schwester Anne musste nach ein paar Tagen eingestehen, dass Karneval in Köln nichts gegen wartende Wanderer ist. „Ich kann die Leute ja verstehen. Da läufst du fünf Kilometer, oder zehn, oder noch mehr. Die Füße tun dir weh, du wirst was müde und Hunger haste auch. Und dann kriegst du nur einen Platz auf der ollen Bank, statt auf dieser geilen Liege. OK. Aber was dann da abgeht habe ich in all den Jahren in Ehrenfeld nicht erlebt. Und glaub mal, ich hab an der Tür schon einiges erlebt!“

Schlussendlich musste der Einsatz dort abgebrochen werden. „Ich habe die beiden gesehen“, so wieder Max Momm, „als ich denen mal eine neue Kanne Kaffee vorbeigebracht habe. Oder mal ne Flasche selbstgemachten Apfelsaft. Das ist kein Job, das ist unmenschlich, was die beiden da leisten mussten.“ Doch Wanderer in dieser Situation alleine lassen, das wiederum wollte der Scheeler Bürgerverein auch nicht. Die Lösung findet sich oft dann, wenn wir mit anderen ins Gespräch kommen. „Wir Digitalisieren gerade viele Wanderwege. Das betrifft nicht nur die Routen, sondern auch die besonderen Orte, die an diesen Routen liegen.“ Erklärte Wastl Roth-Seefried gegenüber dem BV Scheel. „In meiner Funktion beim Naturpark Bergisches Land möchten wir den Leuten neue und interaktive Features bieten, die das Wandern im schönen Bergischen interessanter machen. Da könnt ihr sicher auch eine Idee einbringen.“

Auf die Empfehlung hin erstellte eine Projektgruppe des BV die erste eigene App, das erste Scheeler Online-Banking. Die App ist einfach zu bedienen und nach der Registrierung kostenfrei nutzbar. Die Kernfunktion beinhaltet eine einfache Buchungsfunktion mit Datum, Uhrzeit und Liegedauer. Dabei sind Zeitfenster von 15 min, 30 min und maximal einer Stunde per Drop-Down Menü auswählbar. Die Bestätigung der Liegezeit erfolgt sofort nach der Buchung. Für Wanderer, die sich verspäten und doch nicht ihre Liegezeit zum gebuchten Zeitpunkt beginnen können, kann jederzeit kostenfrei storniert werden. Die gute Aussicht ist auch immer kostenfrei.

 So kann ihr Handy schon bald ihren Waldsofa-Slot buchen!
Um die Vereinskasse aufzubessern, werden natürlich auch In-App-Käufe angeboten. Die erste Idee war der Sitzkissen-Service. Weiter sind auch regionale Getränke, natürlich gekühlt (siehe Bild), buchbar. „Mein Mann hat mir berichtet, die App funktioniert einwandfrei. In der Testphase hat er als Vorstandsmitglied geholfen, die App zu entwickeln. So richtig gut mit Computer kann er ja auch nicht. Aber wandern mit unserer Tochter macht er gerne. Und ne Pause braucht er auch zwischendurch. Also war er der perfekte Tester für die App.“ Berichtet Ursula, Dorfbewohnerin aus Scheel und Frau eines Beta-Testers. „Als allerdings die In-App-Käufe dazu kamen, hat er unsere Tocher weniger oft mitgenommen. Dafür hat er immer längere Zeiten gebucht. Da habe ich nach vier Tagen dann mal die Kreditkarten-Abrechnung kontrolliert…Immerhin positiv, auch die funktioniert. Mehr möchte ich jetzt nicht sagen…“

Auch Wastl Roth-Seefried sieht dem Lunch der App am 01. April 2026 positiv entgegen. „Ich bin von der Idee begeistert und werde die App sofort installieren, wenn die im App-Store verfügbar ist. So eine App hebt das Wandern wieder auf ein neues Niveau. Die Scheeler sind ein toller Kooperationspartner bei der Entwicklung der Bergischen Wanderwege. Ich hoffe, dass die bald noch so ein Waldsofa aufstellen.“